Pressekonferenz November 1994 Drucken
Pressemitteilungen
Geschrieben von: Ottilia Hänni   
Dienstag, 01. November 1994 00:00

Mit der heutigen Einreichung der "Initiative für eine vernünftige Drogenpolitik" sind wir unserem Ziel einen Schritt nähergerückt. Der Verband der Elternvereinigungen drogenabhängiger Jugendlicher freut sich ganz besonders darüber, haben doch viele Eltern beim Unterschriftensammeln aktiv mitgeholfen.

Warum hat der Verband der Elternvereinigungen drogenabhängiger Jugendlicher die DroLeg-Initiative unterstützt?

Wohl kaum jemand anderer als Eltern eines abhängigen Kindes und die direkt Betroffenen haben die menschenverachtende Drogenpolitik in den letzten beiden Jahrzehnten so hautnah erlebt. Wir haben gelernt, weniger Angst vor den Drogen zu haben; wir haben aber vor allem Angst vor der Kriminalisierung und den sozialen Folgen der Prohibition, die das Leben unserer Kinder zerstören. Politikerinnen und Politiker, Juristinnen und Juristen und die Polizei, etc, die für diese Zustände mitverantwortlich sind, können abends abschalten, wir Eltern aber nicht.

Wir haben es satt, dass das Betäubungsmittelgesetz unsere Kinder in die Illegalität treibt und dass sie dadurch sozial ausgegrenzt werden.

Wir haben es satt, dass die Sucht unserer Kinder anders behandelt wird, als alle anderen Süchte, an denen unsere Gesellschaft krankt.

Wir haben es satt, dass unsere Kinder wegen der Repression durch dreckigen Stoff gesundheitlich geschädigt werden und immer wieder der Gefahr der Ansteckung durch das Aids Virus ausgesetzt sind.

Wir haben es satt, dass unsere Kinder in die Beschaffungskriminalität und die Drogenprostitution getrieben werden.

Wir haben es satt, dass unsere Kinder von der Polizei gedemütigt und bis zur Erschöpfung herumgehetzt werden.

Mit der Annahme der DroLeg-Initiative würden diese Missstände endlich wegfallen!

Unsere Initiative hat unter anderem auch bewirkt, dass sich endlich drei Parteien, die SP, FDP und CVP, durchgerungen haben, eine gemeinsame Drogenpolitik zu verfolgen, ein an sich bemerkenswerter Schritt. Statt aber das Problem an der Wurzel anzupacken, ist das Resultat nichts anderes als ein helvetischer Kompromiss. Eine breitere medizinische Abgabe der Drogen und die gleichzeitige verstärkte polizeiliche Repression gegen die bösen Dealer wird den schwarzen Markt nicht zum Verschwinden bringen. Wo eine Nachfrage besteht, gibt es auch einen Markt, legal oder illegal, ob moralisch oder unmoralisch. Unsere Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter im Parlament sollten eigentlich am besten wissen, wie unser Marktsystem funktioniert.

Das Uebel aller Probleme sind nicht in erster Linie die Drogen, sondern die Prohibition mit allen ihren negativen Auswüchsen. Zwanzig Jahre Prohibition haben gezeigt, dass der Krieg gegen die Drogen mit polizeilichen Mitteln nicht gewonnen werden kann. Die Repression hat Jugendliche nicht davon abgehalten, in die Drogen einzusteigen und hat kaum Abhängige motiviert, aus den Drogen auszusteigen. Wie lange braucht es noch, bis eine Mehrheit von Politikerinnen und Politiker zu dieser Einsicht gelangt?

Beim Sammeln von Unterschriften waren wir immer wieder erfreut und überrascht festzu-stellen, wie stark ein Umdenken in allen Bevölkerungsschichten stattgefunden hat, das wir in der Politik noch vermissen. Deshalb unser Aufruf: Die Politik dieser Realität anzupassen.

Solange der Geist dieser Initivative nicht in die Politik eindringt, müssen und werden wir Eltern weiterkämpfen für ein menschenwürdigeres Dasein unserer süchtigen Kinder. Zuviele Kinder sind schon an den Folgen der Prohibition gestorben. Wieviele müssen noch sterben, bis die Prohibition abgeschafft wird?